Emotionale Kompetenz, emotionale Intelligenz, Einflussfaktoren, Auswirkungen, Unterschied

Psychologie – Emotionale Kompetenz, emotionale Intelligenz, Einflussfaktoren, Auswirkungen, Unterschied

Emotionale Kompetenz

Emotionale Kompetenz, emotionale Intelligenz, Einflussfaktoren, Auswirkungen, Unterschied
Emotionale Kompetenz, emotionale Intelligenz, Einflussfaktoren, Auswirkungen, Unterschied

Unter emotionaler Kompetenz versteht man vier Fertigkeiten im Bereich der Emotionen:

  • das Emotionsverständnis,
  • den Emotionsausdruck,
  • die Emotionsregulation
  • und das Empathievermögen

Über emotionale Kompetenz zu verfügen bedeutet, die eigenen Emotionen zu verstehen, sie ausdrücken und regulieren zu können sowie die Emotionen anderer Menschen deuten und angemessen mit ihnen umgehen zu können. Die Empathiefähigkeit wird in diesem Zusammenhang auch als soziale Kompetenz bezeichnet. Damit ist die soziale Kompetenz ein einzelner Aspekt der emotionalen Kompetenz. Hier lernen Sie mehr zur emotionalen Kompetenz, emotionaler Intelligenz, zu Emotionen und Gefühlen, den Voraussetzungen, Einflussfaktoren in der Entwicklung und zu den Auswirkungen im späteren Leben.

Unterschied Emotion und Gefühl

Die Begriffe Emotion und Gefühl werden im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals synonym verwendet.

Tatsächlich jedoch unterscheiden sie sich in ihrer Bedeutung, wenngleich über den genauen Unterschied keine Einigkeit herrscht.

Weithin verbreitet ist die Definition, dass Gefühle angeborene Reaktionen sind, die bei allen Menschen in sehr ähnlicher Form auftreten. Beispiele dafür sind Hunger, Schmerz und das Gefühl der Geborgenheit oder des Verlassenseins.

Emotionen dagegen entstehen durch die Kombination von Gefühlen und mentalen Vorgängen, wie etwa Gedanken, Wünschen oder Erwartungen. Da mentale Vorgänge relativ sind, unterliegen auch die ausgelösten Emotionen dieser Relativität und sind unter Umständen objektiv unangemessen. Inwiefern der Begriff der emotionalen Kompetenz diese Unterschiede berücksichtigt, ist unklar. Man kann davon ausgehen, dass hier die Bezeichnungen Emotion und Gefühl synonym benutzt werden.

Emotionale Intelligenz

Voraussetzung für emotionale Kompetenz ist die emotionale Intelligenz. Gleichzeitig wird sie als Teilbereich der emotionalen Kompetenz genannt:

  • Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, Gefühle zu identifizieren.

Ohne dieses emotionale Verständnis ist es nicht möglich, die entsprechenden Gefühle angemessen auszudrücken oder sie zu regulieren. Ohne emotionale Intelligenz ist auch keine Empathie möglich, da die Gefühle anderer Menschen nicht verstanden bzw. korrekt gedeutet werden.

Einflussfaktoren

Sowohl die emotionale Intelligenz als auch die emotionale Kompetenz in ihrer Gesamtheit werden in der frühen Kindheit entwickelt. Neben der angeborenen Fähigkeit zum Umgang, Ausdruck und zur Regulierung von Gefühlen spielt der Einfluss der Eltern und anderer Bezugspersonen eine wesentliche Rolle beim Erlangen emotionaler Fertigkeiten.

Familiäres Umfeld

Wesentliche Einflussfaktoren sind das emotionale Klima im familiären Umfeld und die Art und Weise der Bezugspersonen, ihre eigenen Emotionen auszudrücken. Den Eltern kommt hier eine Vorbildfunktion zu, da sich Kinder an ihrem Umgang und Ausdruck verschiedener Gefühle orientieren. Ebenso spielt es eine Rolle, ob und in welcher Form Eltern auf die Gefühle des Kindes eingehen. Bezugspersonen, die die Emotionen ihrer Kinder »unter den Tisch kehren«, fördern damit das gleiche Verhalten ihrer Kinder den Spielkameraden und Mitmenschen gegenüber.

Liegt der Schwerpunkt im Elternhaus auf negativen emotionalen Äußerungen, so werden diese Kinder voraussichtlich auch selbst weniger empathisch reagieren. Wachsen sie dagegen in einem Klima der Zugewandtheit, Wärme und der positiven Rückmeldungen auf, so wirkt sich das vorteilhaft auf die Entwicklung ihrer emotionalen Kompetenz aus.

Lehrer, Freunde, Medien

Obwohl die Erfahrungen im Elternhaus eine große Rolle bei der emotionalen Entwicklung eines Kindes spielen, kommen im Lauf der Zeit zusätzliche Einflussfaktoren hinzu.

Der Umgang mit Lehrern, Freunden und Medien wirkt sich auf die weitere Entwicklung aus. Zudem ist es auch in späteren Jahren möglich, die eigene emotionale Kompetenz weiterzuentwickeln und zu stärken. Dennoch ist die Förderung der emotionalen Entwicklung schon im Elternhaus von zentraler Bedeutung, um Verhaltensauffälligkeiten vorzubeugen. Schon im Kindergarten und in der Schule haben es emotional kompetente Kinder leichter als andere, da die Kommunikation mit Gleichaltrigen und Lehrpersonen prosozial erfolgt.

Auswirkungen

Auch später wird die emotionale Kompetenz als wichtiger Faktor für befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen angesehen und hat sowohl negative, als auch positive Auswirkungen. Emotionale Fähigkeiten sind förderlich für das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein, die Selbstmotivation und den Umgang mit Stress und Ängsten.

Respektvoller Umgang

Emotional kompetente Menschen sind in der Lage, einen respektvollen und wertschätzenden Kontakt zu ihren Mitmenschen zu pflegen, da sie deren Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen auf sie reagieren können. Das äußert sich beispielsweise im aufmerksamen Zuhören und Beobachten des Gesprächspartners.

Konfliktsituationen

Auch in Konfliktsituationen sind emotional kompetente Menschen eher in der Lage, die Wogen zu glätten und dabei die Bedürfnisse aller Beteiligter zu berücksichtigen als Personen mit emotionalen Defiziten. Wer seine Gefühle erkennen, regulieren und mitteilen kann, setzt diese Fähigkeiten üblicherweise auch in prekären Situationen ein und wirkt somit deeskalierend.

Berufsleben

Von hoher Bedeutung sind emotionale Fertigkeiten auch im Berufsleben. Der Umgang mit Kollegen, Vorgesetzen oder Mitarbeitern und Geschäftspartnern profitiert von der Kommunikationsfähigkeit, vom Mitteilen und Erkennen von Befindlichkeiten und von der Fähigkeit, sich selbst und andere zu motivieren. Emotional kompetentes Handeln stärkt den Zusammenhalt unter Mitarbeitern. Ihre Identifizierung mit dem Unternehmen und dessen Zielen wächst. Das trägt zu einem produktiven Klima bei und wirkt sich auch in Krisenzeiten vorteilhaft aus.

Angesichts des vermehrten Auftretens des Burnout-Syndroms zählen manche Fachleute eine weitere Fähigkeit zur emotionalen Kompetenz: das Vermögen, die eigenen Gefühle mit der Motivation und den Anforderungen so in Einklang zu bringen, dass das verbreitete »Ausbrennen« erst gar nicht auftritt.

Gesundheitliche Folgen

Die Abwesenheit emotionaler Kompetenz kann nicht nur zu Erschöpfungssyndromen führen, sondern auch andere gesundheitliche Folgen haben. Wer seine Gefühle nicht erkennt und äußert, sondern in sich einschließt, begünstigt dadurch einen Stresszustand. Aufgrund der fehlenden Regulationsmechanismen können sich daraus Beschwerden wie:

  • Bluthochdruck
  • Gewichtsschwankungen
  • und Schlafstörungen

entwickeln. Unterdrückte Gefühle können ebenso Depressionen und andere psychische Erkrankungen auslösen.

Lebensqualität

Selbst wenn mangelnde emotionale Kompetenz nicht umgehend zu physischen oder psychischen Problemen führt, so schränkt sie doch die Lebensqualität erheblich ein. Zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungen sind störanfällig und verlaufen oftmals unbefriedigend – das belastet die eigene Befindlichkeit und führt zu Unwohlsein und Unzufriedenheit. Dasselbe Muster findet sich im beruflichen Alltag. Werden eigene Gefühle (etwa der Über- oder Unterforderung) nicht kommuniziert und die der Kollegen und Vorgesetzen nicht verstanden, so führt das zwangsläufig zu einem unerfreulichen Arbeitsklima.

Fazit

Mangelnde emotionale Kompetenz ist nicht nur ein kleines Defizit. Sie kann den Alltag, das berufliche Vorankommen, zwischenmenschliche Kontakte, die eigene Lebenszufriedenheit und die Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. Umgekehrt führt das Vorhandensein emotionaler Fähigkeiten zu Zufriedenheit, bereichernden sozialen Kontakten und ist ein bedeutsamer Vorteil im Berufsleben. Da der Grundstein für emotionale Kompetenz in den ersten Lebensjahren eines Kindes gesetzt wird, kommt dem Einfluss der Eltern und der pädagogischen Fachkräfte hohe Bedeutung zu. Doch auch später können die emotionalen Fähigkeiten weiter trainiert und verfeinert werden. Es ist nie zu spät!